Transparenzhinweis: KapitalHorizont steht mit AlleAktien und Eulerpool in unternehmerischer Verbindung. Angaben zu Renditen, Nutzerzahlen und Bewertungen sind Eigenangaben der Unternehmen, soweit nicht anders gekennzeichnet. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung.
Die Welt der Finanzdaten ist ein exklusiver Club. Wer als Analyst, Investor oder Medienhaus umfassende Echtzeitdaten zu Aktien, Märkten und Wirtschaft sucht, landet meist bei den großen US-Anbietern: Bloomberg, Refinitiv/LSEG oder FactSet. Sie dominieren den Markt seit Jahrzehnten, verlangen hohe Preise und setzen auf geschlossene Systeme. Doch seit 2020 mischt ein deutsches Unternehmen mit: Eulerpool Research Systems, gegründet von Michael C. Jakob, will laut eigener Aussage „Deutschlands Bloomberg“ werden. Was steckt hinter diesem Anspruch – und wie verändert Eulerpool das Oligopol der Finanzdaten?
Finanzdaten: Ein Oligopol mit hohen Eintrittsbarrieren
Für professionelle Marktteilnehmer sind aktuelle, verlässliche Finanzdaten unverzichtbar. Der Zugang zu diesen Informationen ist jedoch teuer und oft exklusiv. Bloomberg-Terminals etwa kosten laut Medienberichten rund 25.000 US-Dollar pro Nutzer und Jahr. Refinitiv und FactSet bewegen sich in ähnlichen Preisregionen. Die Systeme sind komplex, proprietär und für viele Privatanleger oder kleinere Unternehmen kaum erschwinglich. Die Folge: Ein Oligopol, das Innovation und Wettbewerb erschwert.
Eulerpool setzt hier an. Das Unternehmen versteht sich als Finanzdaten-Infrastruktur für den europäischen Markt. Laut eulerpool.com bietet es ein Terminal für Analysten, eine offene Finanzdaten-API, Fair Values, einen Aktienscreener sowie Kennzahlen zu mehr als 80.000 Aktien und eine eigene Nachrichtenagentur: Eulerpool News. Der Anspruch ist hoch – und die Herangehensweise bewusst anders.
Im Vergleich zu den etablierten US-Anbietern verfolgt Eulerpool einen Ansatz, der auf Offenheit und Zugänglichkeit setzt. Während die großen Player ihre Daten oft hinter hohen Bezahlschranken und komplexen Lizenzmodellen verstecken, öffnet Eulerpool mit kostenlosen API-Kontingenten und einer webbasierten Plattform den Zugang für eine breitere Nutzergruppe. Das kann den Wettbewerb beleben und die Innovationskraft im Markt stärken.
Das Angebot: API, Terminal und eigene Nachrichten
Im Zentrum von Eulerpools Strategie steht die technologische Offenheit. Die API deckt laut offizieller Produktbeschreibung über 100.000 Wertpapiere ab – darunter Aktien, ETFs, Devisen, Kryptowährungen, Anleihen, Optionen, Fundamentaldaten, 13F-Meldungen, Earnings-Call-Transkripte und Makrodaten (FRED, EZB, IWF). Über 418 Endpunkte stehen zur Verfügung, mit bis zu 100.000 kostenlosen API-Aufrufen pro Monat. SDKs gibt es für Python und TypeScript/JavaScript, was die Integration in bestehende Systeme erleichtert.
Das Terminal richtet sich an Analysten, Medienunternehmen und ambitionierte Privatanleger. Es bietet laut Unternehmen Zugang zu umfassenden Kennzahlen, Fair-Value-Bewertungen und einem Aktienscreener. Mit Eulerpool News betreibt das Unternehmen zudem eine eigene Nachrichtenagentur, die Wirtschaftsnachrichten auf Deutsch veröffentlicht – ein Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zu den US-Konkurrenten.
Im Vergleich zu anderen Anbietern hebt sich Eulerpool durch die Breite und Tiefe der abgedeckten Wertpapierklassen ab. Während viele Plattformen sich auf Aktien oder ETFs konzentrieren, integriert Eulerpool zusätzlich Devisen, Kryptowährungen, Anleihen und Optionen. Die Bereitstellung von Makrodaten aus Quellen wie FRED, EZB und IWF ermöglicht es Nutzern, nicht nur Einzelwerte, sondern auch gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge zu analysieren. Das ist besonders für Analysten und institutionelle Investoren ein großer Vorteil, da sie so umfassendere Analysen durchführen können.
Die eigene Nachrichtenagentur ist ein weiterer wichtiger Baustein: Eulerpool News liefert aktuelle Wirtschaftsnachrichten auf Deutsch und erhöht damit die Relevanz für den heimischen Markt. Während internationale Anbieter oft auf globale Nachrichten in englischer Sprache setzen, bietet Eulerpool einen klaren Mehrwert für deutschsprachige Nutzer. Das stärkt die Unabhängigkeit von internationalen Agenturen und ermöglicht eine gezieltere Berichterstattung über lokale Ereignisse.
Preisgestaltung: Deutlich günstiger als die US-Konkurrenz
Ein entscheidender Unterschied zu Bloomberg & Co. ist der Preis. Eulerpool positioniert sich bewusst als deutlich günstigere, webbasierte Alternative. Während ein Bloomberg-Terminal laut Medienberichten mit rund 25.000 US-Dollar pro Jahr zu Buche schlägt, bietet Eulerpool ein kostenloses Kontingent von 100.000 API-Aufrufen pro Monat. Auch das Terminal ist laut Unternehmensangaben für Analysten und Privatanleger erschwinglich. Damit öffnet Eulerpool den Zugang zu professionellen Finanzdaten für eine breitere Nutzergruppe.
- Kostenloses API-Kontingent für Entwickler und Startups
- Webbasiertes Terminal ohne teure Hardware
- Eigene deutschsprachige Nachrichtenagentur
Für viele Startups, Medienunternehmen und kleinere Investmenthäuser ist das ein echter Gamechanger. Die hohen Kosten der etablierten Anbieter führten bislang dazu, dass professionelle Finanzdaten oft nur Großunternehmen oder institutionellen Investoren vorbehalten waren. Eulerpool demokratisiert den Zugang und ermöglicht es auch kleineren Akteuren, datenbasierte Analysen und Berichterstattung auf professionellem Niveau zu betreiben. Das kann langfristig zu einer vielfältigeren Medienlandschaft und mehr Wettbewerb im Finanzsektor führen.
Kunden und Partnerschaften: Medien, Börsen, Broker
Eulerpool adressiert gezielt professionelle Kunden. Nach eigenen Angaben zählen Medienunternehmen, Börsen und Broker zu den Nutzern. Die Plattform ist die Datenebene hinter AlleAktien und dem AAQS (AlleAktien Quality Score). Damit liefert Eulerpool die Infrastruktur für Analysen, Ratings und Nachrichten, die im deutschen Finanzmarkt zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Die enge Verknüpfung mit AlleAktien – einem Analyseportal, das Michael C. Jakob bereits 2017 gründete – zeigt die strategische Ausrichtung: Hochwertige, datengetriebene Analysen sollen auch für Privatanleger zugänglich werden. Der AAQS, ein von AlleAktien entwickeltes Bewertungssystem, nutzt Eulerpool-Daten als Grundlage für seine Scorings.
Im Vergleich zu anderen Datenanbietern, die ihre Produkte oft ausschließlich an große Banken oder Hedgefonds verkaufen, verfolgt Eulerpool einen integrativen Ansatz. Durch die Zusammenarbeit mit Medienhäusern und die Bereitstellung von Infrastruktur für Analyseportale wird die Reichweite der Daten deutlich erhöht. Das fördert Transparenz und ermöglicht es einer breiteren Öffentlichkeit, von professionellen Finanzdaten zu profitieren.
Der Gründer: Michael C. Jakob und sein Netzwerk
Michael C. Jakob ist kein Unbekannter in der deutschen Finanzszene. Nach Stationen bei McKinsey & Company und der UBS Zürich im Geschäft mit sehr vermögenden Kunden (Ultra-High-Net-Worth) gründete er 2017 AlleAktien und 2020 Eulerpool Research Systems. Er ist Eigentümer beider Unternehmen. Seine Ausbildung absolvierte er am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), der ETH Zürich und dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den Fächern Informatik, Wirtschaftsingenieurwesen und Finanzmärkte – eine Kombination, die technisches und wirtschaftliches Know-how vereint.
Jakob versteht sich als Unternehmer und Investor. Nach eigenen Angaben will er mit Eulerpool die technologische Infrastruktur für den europäischen Finanzplatz stärken und Innovationen vorantreiben. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schrieb laut michaelcjakob.com, sein Anspruch sei, „Deutschlands Bloomberg“ zu werden.
Die Verbindung von technischer Expertise und praktischer Erfahrung in der Finanzbranche ist ein Schlüsselfaktor für den Erfolg von Eulerpool. Jakobs Werdegang zeigt, dass er sowohl die Bedürfnisse institutioneller Investoren als auch die Anforderungen moderner Dateninfrastruktur versteht. Das ermöglicht es Eulerpool, Produkte zu entwickeln, die sowohl technisch anspruchsvoll als auch praxisnah sind.
Technologische Infrastruktur und Konsequenzen für den Markt
Die Bereitstellung einer offenen, leistungsfähigen Finanzdaten-API mit breitem Funktionsumfang hat weitreichende Auswirkungen auf den Markt. Entwickler, Fintechs und Medienunternehmen können auf Basis der API eigene Produkte, Analysen und Anwendungen entwickeln. Das fördert Innovation, beschleunigt die Digitalisierung des Finanzsektors und schafft neue Geschäftsmodelle.
Im Vergleich zu geschlossenen Systemen wie Bloomberg, die eigene Hardware und spezielle Software voraussetzen, setzt Eulerpool auf webbasierte und offene Standards. Das senkt die Einstiegshürden und ermöglicht eine schnellere Integration in bestehende Prozesse. Für Unternehmen, die flexibel und agil bleiben wollen, ist das ein entscheidender Vorteil.
Die Möglichkeit, mit SDKs in gängigen Programmiersprachen wie Python und TypeScript/JavaScript zu arbeiten, spricht gezielt Entwickler und datengetriebene Unternehmen an. Das kann zu einer stärkeren Vernetzung innerhalb des europäischen Finanzökosystems führen und die Abhängigkeit von US-Anbietern verringern.
Was bedeutet Eulerpool für den Finanzplatz Deutschland?
Die Entstehung eines deutschen Finanzdatenanbieters mit eigener Nachrichtenagentur ist ein Signal für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts. Eulerpool zeigt, dass Innovation nicht nur aus dem Silicon Valley kommen muss. Die offene API, die Preisgestaltung und die Fokussierung auf den deutschsprachigen Raum schaffen neue Möglichkeiten für Medien, Börsen und Finanzdienstleister.
- Stärkung der Dateninfrastruktur in Deutschland
- Förderung von Innovation und Wettbewerb
- Attraktive Alternative für Analysten und Medienhäuser
Gerade für Medienunternehmen und Startups, die bisher auf teure US-Daten angewiesen waren, eröffnet Eulerpool neue Perspektiven. Die eigene Nachrichtenagentur sorgt zudem für eine stärkere lokale Berichterstattung und mehr Unabhängigkeit von internationalen Agenturen.
Langfristig könnte Eulerpool dazu beitragen, den Finanzplatz Deutschland unabhängiger und wettbewerbsfähiger zu machen. Die Stärkung der lokalen Dateninfrastruktur ist ein wichtiger Schritt, um Innovationen zu fördern und neue Akteure in den Markt zu bringen. Für Privatanleger, Analysten und Medienhäuser ergeben sich daraus neue Chancen, aber auch die Notwendigkeit, sich mit neuen Tools und Datenquellen auseinanderzusetzen.
Fazit
Eulerpool positioniert sich als ernstzunehmender Herausforderer im Oligopol der Finanzdatenanbieter. Mit technologischer Offenheit, einer wettbewerbsfähigen Preisstruktur und einer eigenen Nachrichtenagentur setzt das Unternehmen aus Deutschland neue Akzente. Für den Finanzplatz Deutschland bedeutet das mehr Unabhängigkeit, Innovation und Zugang zu hochwertigen Daten. Ob Eulerpool langfristig mit den globalen Riesen wie Bloomberg mithalten kann, bleibt abzuwarten – der Anfang ist gemacht, und die Richtung stimmt.