2026 wird für RTL zum Jahr der Bewährungsprobe. Die Übernahme von Sky Deutschland muss genehmigt und integriert werden, während an der Konzernspitze ein Machtwechsel ansteht. Der Aktienkurs spiegelt die Unsicherheit bereits wider.

Die RTL Group startet mit einer klaren Priorität ins neue Jahr: Die angekündigte Transformation muss jetzt liefern. Nach dem strategischen Umbau der vergangenen Jahre entscheidet sich 2026, ob aus dem Medienkonzern tatsächlich ein national dominanter Streaming-Anbieter entsteht.

Der Sky-Deal rückt in die entscheidende Phase

Im Zentrum steht die Übernahme des DACH-Geschäfts von Sky Deutschland. Die Transaktion mit einem anfänglichen Kaufpreis von 150 Millionen Euro soll im ersten Halbjahr 2026 abgeschlossen werden. Voraussetzung ist die Freigabe durch die Wettbewerbsbehörden, allen voran das Bundeskartellamt.

Gelingt der Abschluss, würde RTL seine Streaming-Kundenbasis auf rund 11,5 Millionen ausbauen und seine Position im deutschen Pay-TV- und Streamingmarkt deutlich stärken. Verzögerungen oder Auflagen könnten jedoch schnell auf die Bewertung drücken.

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Aktienkurs bleibt unter dem Rückkaufpreis

Finanziell geht RTL mit einer reduzierten Aktienzahl ins Jahr. Das im September 2025 beendete Rückkaufprogramm wurde zu einem Festpreis von 37,85 Euro je Aktie durchgeführt. Der Jahresstart 2026 erfolgt jedoch deutlich darunter, zuletzt notierte der Kurs bei rund 35 Euro.

Für Anleger ist das ein ambivalentes Signal. Einerseits markiert der Rückkaufpreis eine potenzielle Bewertungsuntergrenze, andererseits zeigt der Abschlag, dass der Markt den Integrationserfolg noch nicht einpreist.

Führungswechsel erhöht den Erwartungsdruck

Im Mai 2026 übernimmt Clément Schwebig den CEO-Posten von Thomas Rabe. Rabe hatte den Konzern durch Verkäufe in den Niederlanden und Belgien sowie durch den Sky-Kauf strategisch neu aufgestellt. Die operative Umsetzung liegt nun beim Nachfolger.

Schwebig kommt von Warner Bros. Discovery und gilt als erfahrener Manager für komplexe Medienintegrationen. Seine zentrale Aufgabe wird es sein, die Plattformen RTL+ und WOW technisch, organisatorisch und kulturell zusammenzuführen.

Synergien sollen den Kurs tragen

Der wirtschaftliche Kern der Transaktion liegt in den angekündigten Synergien. Ab dem dritten Jahr nach Abschluss rechnet RTL mit jährlichen Kosteneinsparungen von rund 250 Millionen Euro. Diese sollen vor allem aus der Zusammenlegung von Plattformen, Technik und Verwaltung stammen.

Hinzu kommen strategische Effekte. Mit den Sportrechten von Sky, darunter Bundesliga, Premier League und Formel 1, sichert sich RTL attraktives Werbeinventar. Das könnte nicht nur das Streaming-Geschäft stärken, sondern auch das lineare TV stabilisieren.

Streaming bleibt der entscheidende Prüfstein

Der Mediensektor steht weiter unter Druck, im Streaming nachhaltig profitabel zu werden. Hohe Inhalte- und Technologiekosten treffen auf intensiven Wettbewerb. Für RTL ist die Sky-Integration deshalb mehr als ein Wachstumsschritt – sie ist der Versuch, Skaleneffekte endlich in Gewinne zu übersetzen.

Ob das gelingt, hängt weniger von der Vision als von der Umsetzungsgeschwindigkeit ab. Jeder Monat Verzögerung erhöht die Kosten und senkt die Geduld des Marktes.

Preise für Abnehmmedikamente in China deutlich gesenkt
Novo Nordisk und der US-Konkurrent Eli Lilly senken im chinesischen Markt die Preise für ihre Abnehmmedikamente spürbar. Der Schritt verschärft den Wettbewerb im weltweit größten Wachstumsmarkt für Adipositas-Therapien und setzt die Aktien beider Konzerne unter Druck.

2026 entscheidet über die Bewertung

Für Anleger werden mehrere Termine entscheidend. Im ersten Quartal steht die kartellrechtliche Prüfung im Fokus. Im Frühjahr folgt die Dividendenerklärung, die nach dem Verkauf von RTL Nederland Hinweise auf die künftige Kapitaldisziplin liefern dürfte.

Charttechnisch muss die Aktie die Marke von 35 Euro nachhaltig überwinden, um wieder in Richtung des Rückkaufpreises von 37,85 Euro zu laufen. Fundamentaler Rückenwind kommt nur, wenn Genehmigung, Integration und Führungswechsel reibungslos verlaufen.

Der Sky-Deal ist damit mehr als eine Akquisition. Er ist der Lackmustest für die Strategie der RTL Group – und für die Geduld ihrer Aktionäre.